April-Brief 2019

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Fallbeschreibung


US-Grenzbeamte nehmen am 12. Juni 2018 eine Familie fest, nachdem diese von Mexiko kommend die Grenze überquert hatten. © Getty Images, Foto: John Moore

Valquiria, USA / Mexiko / Brasilien

Im März 2018 flohen die 39-jährige Valquiria und ihr siebenjähriger Sohn Abel (Name geändert) aus Brasilien und baten an der Grenze von Mexiko zu den USA in El Paso, Texas, um Schutz. Valquiria gab an, wiederholt Morddrohungen von Drogenhändler_innen erhalten zu haben, die gedroht hätten, sie und ihren Sohn zu finden und zu töten, egal wohin sie in Brasilien flüchten würden. Am 17. März, nach einer gemeinsam in Haft verbrachten Nacht, trennten die US-Behörden Mutter und Kind ohne Angabe von Gründen.

„Sie sagten mir: ‚Du hast hier keinerlei Rechte, und du hast kein Recht, bei deinem Sohn zu bleiben'“, berichtete Valquiria. „In dem Moment bin ich gestorben. Es wäre besser gewesen, wenn ich tot umgefallen wäre, denn ich wusste nicht, wo mein Sohn war, was er gerade macht. Das ist das schlimmste Gefühl, das eine Mutter haben kann. Wie kann eine Mutter nicht das Recht haben, bei ihrem Sohn zu sein?“

Am 27. März bezeichnete eine US-Asylbeamtin Valquirias Geschichte als glaubwürdig. Ihr Asylantrag wurde jedoch am 10. September abgelehnt. Sie legte daraufhin – immer noch in Haft und getrennt von Abel – Widerspruch gegen den Bescheid ein.

Valquiria befindet sich derzeit in der texanischen Hafteinrichtung „El Paso Processing Center“. Sie hat ihren Sohn im März 2018 das letzte Mal gesehen. Er lebt inzwischen bei seinem Vater in den USA, der ebenfalls einen Asylantrag gestellt hat.

Im Brief an den zuständigen Büroleiter bei der Einwanderungs- und Zollbehörde fordern wir ihn auf, Valquiria umgehend und bis zur Entscheidung über ihr Rechtsmittel aus humanitären Gründen freizulassen, und bitten ihn, dafür zu sorgen, dass Valquiria und ihr Sohn psychosoziale Betreuung erhalten, um das Trauma der rechtswidrigen Familientrennung verarbeiten zu können.

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
S. E. Herrn Richard Allen Grenell
Pariser Platz 2
10117 Berlin

 

Exzellenz,

Sie erhalten anbei eine Kopie meines Schreibens an den zuständigen Büroleiter der Einwanderungs- und Zollbehörde in El Paso. Er wird drain gebeten, sich für den Fall von Frau Valquiria einzusetzen, einer Mutter, die schon vor einem Jahr von ihrem 7-jährigen Sohn getrennt wurde. In ihrer brasilianischen Heimat wurde sie von Drogenhändlern bedroht, ihr Asylantrag wurde abgelehnt und sie befindet sich derzeit in der texanischen Hafteinrichtung „El Paso Processing Center“, weiterhin ohne ihren Sohn.

Ich bitte auch Sie, sich für diese Frau einzusetzen, damit sie mit ihrem Sohn wieder zusammenkommen kann. Es kann nicht sein, dass eine Mutter und ihr junger Sohn getrennt leben müssen.

Mit freundlichen Grüßen,

Anlage

 

Hier ist der Brief an das betroffene Land

Mr Marc Moore
ICE Enforcement & Removal Operations
El Paso Field Office
11541 Montana Ave Suite E
El Paso, TX 79936
USA

 

Dear Mr Moore,

I am writing to you on behalf of Valquiria, a woman of Brazilian origin who, together with her 7 year old son, arrived in El Paso in March 2018 via Mexico seeking protection from drug dealers who were threatening to murder her and her son. After just one night spent in prison the US authorities separated her from her son without giving any reason for this action. Despite the fact that credibility was given to her story her application for asylum was refused in September 2018.

She appealed against this decision, still separated from her son and now being held in the El Paso Processing Center. Her son is now in the USA together with his father, who has also applied for asylum. His mother’s last contact with him was in March 2018.

I would ask you to carefully consider Valquiria’s case and, until her legal position has been established, to release her and to ensure that both she and her son receive psychosocial support.

It is a grave mistake to deprive a mother of the right to be with her child.  Amnesty International is extremely concerned.

Yours faithfully

Copy to:
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
S. E. Herrn Richard Allen Grenell
Pariser Platz 2
10117 Berlin

27. Mai 2019