September-Brief 2020

Archiv unserer früheren Monatsbriefe

Mitglieder der Iuventa10, v.l.n.r.: Pia, Sascha, Dariush, Zoe, Laura, Ulrich, Hendrik, © Iuventa10

Iuventa10, Italien

 

Fallbeschreibung

Am 2. August 2017 beschlagnahmten die italienischen Behörden das private Seenotrettungsschiff Iuventa, das der deutschen NGO Jugend Rettet gehört. Anschließend leiteten sie Ermittlungen gegen zehn Crew-Mitglieder (Pia, Sascha, Dariush, Zoe, Laura, Ulrich, Hendrik und drei weitere Crew-Mitglieder) aus mehreren europäischen Ländern ein, die als „Iuventa10“ bekannt wurden. Die Zehn werden beschuldigt, „die illegale Einreise von Geflüchteten und Migrant_innen ermöglicht zu haben“, weil sie bei drei verschiedenen Rettungseinsätzen im Mittelmeer in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 14.000 Menschen an Bord nahmen. Seit fast drei Jahren liegt die Iuventa nun im Hafen von Trapani und die Iuventa10 warten auf das Ermittlungsergebnis der dortigen Staatsanwaltschaft. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen fünf bis 20 Jahre Haft und 15.000 Euro Geldstrafe je geretteter Person. Eine unabhängige Untersuchung der Rechercheorganisation Forensic Architecture aus dem Jahr 2018 hat die Vorwürfe gegen die Crew der Iuventa eindeutig widerlegt. Die Staatsanwaltschaft in Trapani sollte das Verfahren daher umgehend einstellen.

Die Iuventa10  sind die diesjährigen Träger_innen des Menschenrechtspreises von Amnesty International Deutschland und Mittelpunkt unserer Kampagne „Retten verboten“ (amnesty.de/retten-verboten). Wir setzen uns zudem mit einer Onlineaktion an Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Iuventa10 ein.

Im Brief an die Staatsanwältin in Trapani und fordern wir sie auf, die Ermittlungen gegen die Iuventa10 einzustellen.

 

Hier ist das Anschreiben an die Vertretung des Landes

Botschaft der Italienischen Republik
S. E. Herrn Luigi Mattiolo
Hiroshimastraße 1
10785 Berlin

 

Exzellenz,

Sie erhalten eine Kopie meines Schreibens an die Staatsanwältin in Trapani, Dott.ssa Sardoni, mit der Bitte, dass sie die Ermittlungen gegen die Iuventa10 einstellt.

Diese 10 Personen haben bei drei Rettungseinsätzen im Mittelmeer die Leben von 14.000 Personen gerettet. Das kann kein Vergehen sein!

Amnesty International unterstützt die 10 Crewmitglieder. Ich bitte auch Sie, sich einzusetzen, dass das Verfahren gegen die Iuventa10 umgehend eingestellt wird.

Hochachtungsvoll

 

Anlage

 

Hier ist der Brief an das betroffene Land

Dott.ssa Brunella Sardoni
Sostituto Procuratore
Procura della Repubblica presso il Tribulale di Traponi
Via XXX gennaio
91010 Trapani (TP)
Italien

 

Dear Prosecutor

I am writing to you on behalf of the so-called Iuventa10, the 10 crew member of the privately-owned sea rescue ship Iuventa, who have been waiting for almost 3 years to hear the decision of the public prosecutor in Trapani.

The ship Iuventa was confiscated on 2. August 2017 and the 10 crew members were accused of enabling migrants and refugees illegal entry into Italy. On three occasions they were able to save the lives of a total of 14.000 people in the Mediterranean.

Should they be found guilty they will be faced with prison sentences from between 5 to 20 years and fines of € 15.000 per rescued person.

An independent survey in 2018 by Forensic Architecture clearly refuted the accusations against the crew. This year the Iuventa10 were awarded the Human Rights Prize of Amnesty International Germany and they feature in the Amnesty International campaign “Retten verboten”. An on-line petition to Chancellor Angela Merkl is also on-going.

I would ask you to intervene on their behalf and to drop the investigations against them.

Yours sincerely,

 

Copy to:
Botschaft der Italienischen Republik
S. E. Herrn Luigi Mattiolo
Hiroshimastraße 1
10785 Berlin

 

2. Oktober 2020